Unser jetzt gemeinnütziger Verein „Obstbauverein Mülsen St. Micheln e. V.“ wurde am 18.März 1928 im damaligen Gasthof von Mülsen St. Micheln gegründet.

Gut anderthalb Jahre nach der Vereinsgründung beginnt die Geschichte unserer alten Obstpresse. Im Rahmen der zweiten Obstschau vom 05.-07.10.1929 wurde eine Presse während eines Vortrages vorgestellt. In der folgenden Vereinsversammlung am 12.04.1930 beschlossen die Mitglieder, diese für damals 600 Reichsmark von der Fa. Mayfardt zu kaufen. Damit gehörte ab diesem Zeitpunkt, dem 28.06.1930, zum Verein eine eigene Mosterei.

Technische Daten der Presse:
– Packpresse mit Schiebebiet
– Hydraulik-Zylinder im Boden eingelassen, Pumpe im Keller
– Pressbett aus Holz
– pro Pressladung 80 kg Obst auf 7 Presstücher verteilt
– Saftablauf in den Keller

Die Idee war gut. Das Fallobst wurde verwertet und Saft daraus hergestellt. Anfänglich waren die Produktionsbedingungen sehr schwierig, auch das Abfüllen war früher reine Handarbeit. Ab den 1960-iger Jahren erleichterte eine Rundfüllmaschine die Arbeit. Fast zur gleichen Zeit wurde auch ein Filter angeschafft, welcher den naturtrüben Saft goldgelb und klar werden lies.

Zuerst wurde unsere Mosterei auf dem Grundstück der Lindengasse 7 in Mülsen St. Micheln aufgestellt, später zog sie 1934 erstmalig um. Es folgten etliche Standortwechsel von den Kellerräumen der Schule, über einen ausgedienten Eisenbahnwaggon, zur alten Mühle und einige mehr.

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges musste auch der Obst- und Gartenbauverein aufgelöst werden. Nach den Wirren der Nachkriegszeit war der Verein in Form eines Obst- und Gartenbauvereins wieder aktiv.
Mit dem Kauf und anschließenden Umbau einer alten Scheune fand unsere Mosterei im Schulweg 2b in Mülsen St. Micheln, wie schon erwähnt, ein festes zu Hause. In diesem Gebäude befindet sich bis zum heutigen Tag der Vereinsmittelpunkt.

Leider blieben auch wir nicht von Krisen verschont. Nach der Wende ging die Anzahl der Mitglieder kontinuierlich zurück und der Altersdurchschnitt stieg. Im Jahr 2016 hatte der Verein nur noch 22 Mitglieder, 19 davon im Rentenalter. Das drohende Ende des traditionsreichen Vereins vor Augen, erfolgte 2016 ein Generationswechsel im Vereinsvorstand. Mit der Kombination aus der Dynamik des neuen Vorstandes und dem unschätzbaren Wissen der älteren Generation gelang es, zahlreiche und insbesondere jüngere Einwohner des Ortes für das Erhalten unserer Traditionen zu begeistern. Der Verein ist damit seit fast einem Jahrhundert zu einem festen Bestandteil des Ortes geworden.